Donut Economy

« Zurück zur Lexikon-Übersicht

Die Donut Economy ist ein wirtschaftswissenschaftliches Modell der britischen Ökonomin Kate Raworth, das erstmals ökologische Grenzen und soziale Bedürfnisse systematisch gemeinsam denkt. Der Donut steht sinnbildlich für den „sicheren und gerechten Handlungsraum der Menschheit“ (safe and just space for humanity) – einen Raum zwischen einem sozialen Fundament und planetaren Grenzen, in dem eine nachhaltige und gerechte Gesellschaft leben kann.

Im inneren Ring des Donuts befinden sich die grundlegenden sozialen Bedürfnisse, die Raworth auf 12 Bereiche kategorisiert, darunter Nahrung, Wasser, Bildung, Gesundheit, Gleichberechtigung, Einkommen, Energie und Teilhabe. Wird dieses soziale Fundament unterschritten, geraten Menschen in existenzielle Not. Der äußere Ring bildet die 9 wissenschaftlich definierten planetaren Grenzen ab (nach Rockström et al., 2009), die kritische ökologische Schwellenwerte wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Störungen im Stickstoff- und Phosphorkreislauf oder Ozeanversauerung beschreiben. Werden diese überschritten, drohen irreversible ökologische Schäden.

Ziel der Donut Economy ist es, wirtschaftliche Aktivität so zu gestalten, dass sie innerhalb dieses sicheren und gerechten Raums bleibt – also soziale Gerechtigkeit fördert, ohne ökologische Grenzen zu überschreiten. Das Modell fordert einen radikalen Paradigmenwechsel weg vom linearen, wachstumsorientierten Denken hin zu einer regenerativen Wirtschaft, die natürliche Systeme wiederherstellt, und einer distributiven Wirtschaft, die Wohlstand gerecht verteilt.

Unternehmen, Städte und Regionen können den Donut als strategisches Orientierungsmodell nutzen, um ökologische Tragfähigkeit und soziale Gerechtigkeit gemeinsam zu gestalten. Neben Amsterdam, das den Donut als Stadtentwicklungsrahmen nutzt, arbeiten auch Brüssel, Kopenhagen und die walisische Regierung mit dem Modell.

Im Kontext des Impact Business Design fungiert die Donut Economy als systemischer Denkrahmen zur Neugestaltung von Geschäftsmodellen. Sie inspiriert dazu, Wirkung nicht nur klassisch aus Unternehmenssicht (vgl. ESG), sondern in Bezug auf umfassende gesellschaftlich-ökologische Systemveränderungen zu betrachten. Werkzeuge wie das Impact Business Oszillogramm oder der Impact Strategy Navigator unterstützen dabei, unternehmerisches Handeln in den größeren gesellschaftlichen und ökologischen Kontext einzuordnen und lineares Wirtschaften in regenerative Praxis zu transformieren. Im Buch Impact Business Design wird auf die Grundlagen dieses wirkungsvollen Ansatzes eingegangen.

Die Donut Economy ist damit mehr als ein ökonomisches Modell – sie ist ein ganzheitlicher Ansatz für nachhaltige Entwicklung und ein kultureller Paradigmenwechsel hin zu einer enkelfähigen Zukunft.