Kreislaufwirtschaft

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Kreislaufwirtschaft (englisch: Circular Economy) ist ein Wirtschaftsmodell, das darauf abzielt, den Wert von Produkten, Materialien und Ressourcen möglichst lange zu erhalten und Abfälle sowie Emissionen systematisch zu vermeiden. Im Unterschied zur linearen „Take-make-use-waste“-Logik wird der gesamte Lebenszyklus eines Produkts neu gedacht – von der Rohstoffgewinnung über Design, Nutzung, Wiederverwendung und Reparatur bis zur Rückführung in den Produktionsprozess.

Zentrale Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sind Vermeidung (Refuse), Umdenken (Rethink), Reduzierung (Reduce), Wiederverwendung (Reuse), Reparatur (Repair), Aufbereitung (Refurbish), Wiederherstellung (Remanufacture), Umfunktionierung (Repurpose), Recycling und Rückgewinnung (Recover). Dieses sogenannte 10R-Modell dient als hierarchisches Prioritätenschema: Vermeidung und Verlängerung der Nutzungsdauer haben Vorrang vor Recycling. Ergänzt werden diese Prinzipien durch systemische Ansätze wie den Cradle-to-Cradle-Ansatz, der Materialien entweder in biologischen oder technischen Kreisläufen halten will, sowie durch Geschäftsmodell- und Netzwerkinnovationen wie Product-as-a-Service oder Industrielle Symbiose.

Durch digitale Technologien, beispielsweise digitale Produktpässe, Material-Tracking und Simulationen, können Transparenz und Steuerung in Kreislaufsystemen deutlich verbessert werden. Die EU fördert diese Entwicklung durch die Verknüpfung von Kreislaufwirtschaft mit Digitalisierung und Regulierung.

Strategisch ist Kreislaufwirtschaft ein zentrales Instrument, um Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und CO₂-Emissionen zu bekämpfen. Aktuelle regulatorische Rahmen wie die Ökodesign-Richtlinie, die Einführung von digitalen Produktpässen, die Abfallrahmenrichtlinie sowie Vorgaben zur Reparaturfähigkeit schaffen rechtlichen Druck und Chancen zugleich.

Für Unternehmen bedeutet das, dass Kreislauffähigkeit nicht als nachgelagerte Pflicht oder reiner Effizienztreiber verstanden werden darf. Sie muss integraler Bestandteil von Geschäftsmodellen, Produktentwicklung und Wertschöpfung sein – als Beitrag zu einer nachhaltigen, regenerativen Wirtschaftsweise.

Im Rahmen von Impact Business Design wird Kreislaufwirtschaft als ein Gestaltungsprinzip regenerativer Geschäftsmodelle verstanden, mit Fokus auf weit mehr als geschlossene Materialflüsse: Entscheidend ist, wie Geschäftsmodelle ökologisch und sozial positive Systemveränderungen ermöglichen. Methoden wie der Today-Tomorrow-Vergleich oder der Impact Strategy Navigator unterstützen dabei, zirkuläre Potenziale frühzeitig zu identifizieren und strategisch umzusetzen – etwa durch neue Wertangebote, kooperative Partnerschaften oder Servicemodelle.

Kreislaufwirtschaft bedeutet damit nicht nur technologische Innovation, sondern vor allem einen kulturellen Paradigmenwechsel: Weg von linearem Konsum hin zu regenerativem Wirtschaften. Für Transformationsverantwortliche ist sie ein zentraler Hebel, um ökologische Grenzen einzuhalten und Unternehmen zukunftsfähig und enkelfähig zu gestalten. Für Unternehmen ist die Kreislaufwirtschaft der Weg in ein enkelfähiges Wirtschaften im Rahmen der planetaren Grenzen.