Adaptive Design: Mit dem Adaptive Cycle Transformation wirksam führen

Jedes System bewegt sich in verschiedenen Zyklen. Es spielt keine Rolle, ob es sich bei diesem System um ein natürliches, z.B. einen Wald, ein menschliches, wie deine persönliche Entwicklung, oder ein soziales System, die Entwicklung deiner Organisation handelt. Diese Zyklen werden durch den Adaptive Cycle erklärt, ein wirkmächtiges Modell aus der Resilienzforschung.

Es beschreibt die Phasen von Wachstum, Stagnation, Zusammenbruch und Erneuerung in komplexen Systemen. Es wurde in den 1980er Jahren von Buzz Holling, einem der Gründer der Resilience Alliance, und seinen Kollegen mit dem Ziel entwickelt, die Dynamik von Ökosystemen zu erklären.

Die Komplexität dynamischer Systeme ähnelt einem Tanz zwischen Ordnung und Chaos sowie Stabilität und Transformation als grundlegende Muster der Selbstorganisation in komplexen Systemen. Adaptive Design bietet dir eine Arbeitshypothese, wie du Stabilität und Erneuerung verbinden kannst. Es übersetzt den „Adaptive Cycle” aus der Resilienzforschung in handhabbare Entscheidungen für eure Organisation.

 

Die vier Phasen des Adaptive Cycle

Der Adaptive Cycle basiert auf vier Phasen, die ein System in verschiedenen Zyklen durchläuft.

1. Wachstum
In dieser Phase wächst das System und nutzt seine Ressourcen, um sich weiterzuentwickeln. Es werden neue Ideen, Technologien oder Produkte entwickelt, um das Wachstum voranzutreiben. Diese Phase ist durch Innovation und Expansion gekennzeichnet.

2. Stabilität
Wenn das System seine maximale Größe erreicht hat, beginnt es sich zu konsolidieren und nutzt die vorhandenen Ressourcen, um sein Überleben und seine Stabilität zu sichern. In dieser Phase wird das System oft zunehmend bürokratisiert und hierarchisiert, um seine Stabilität zu gewährleisten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht befindet sich das System in der Abschöpfungsphase

3. Erneuerung
Gerät das System in Schwierigkeiten oder stößt an seine Grenzen, kann es zu einem Zusammenbruch oder Kollaps kommen. In dieser Phase können Ressourcen freigesetzt oder verloren gehen und das System kann instabil werden. Ein Kollaps sollte jedoch auch immer als Chance für Erneuerung und Veränderung gesehen werden. Die Frage, ob man die Krise als Chance zur Erneuerung nutzt oder im Alten verharrt, ist von existenzieller Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit.

4. Re-Design
Nach einem Kollaps oder einer bewussten Erneuerungsinitiative kann sich das System reorganisieren, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Es können neue Ideen, Technologien oder Organisationsformen entstehen, um das System neu aufzubauen oder schrittweise zu verändern.

Der Adaptive Cycle zeigt, dass Systeme veränderlich sind und sich anpassen sowie entwickeln können. Er betont auch die Bedeutung von Veränderung und Anpassung, um nachhaltige Entwicklung und Stabilität in komplexen Systemen zu gewährleisten. Der Adaptive Cycle beschreibt die Form in einem unendlichen Spiel, denn es geht nicht darum zu gewinnen, sondern möglichst lange im Spiel zu bleiben.

Der Adaptive Cycle und die zwei Welten

Die vier Zyklen des Adaptive Cycle lassen sich in zwei unterschiedliche Unternehmenswelten unterteilen.

  • Exploit: das Managen des Existierenden
  • Explore: das Auskundschaften der Zukunft

 

Die Phasen Wachstum und Stabilität sind dem Exploit-Modus zuzurechnen, während die Phasen Erneuerung und Re-Design dem Explore-Modus entsprechen.

Beim Exploit-Modus ist die Steuerung des Unternehmens analysier- und planbar. Die Ziele und der Wertbeitrag zum Zweck sind klar umrissen, die Risiken sind kalkulierbar und die Rückflusszeiten von Investitionen lassen sich relativ sicher berechnen.

Beim Explore-Modus kannst du dagegen nur auf wenig Erfahrung zurückgreifen. Aufgrund der Komplexität und Dynamik ist eine Vorhersehbarkeit schwer möglich, die Risiken sind kaum bis nicht kalkulierbar. Hier geht es in erster Linie darum, neue Erfahrungen zu sammeln. Diese Beschreibung trifft meist auf Transitionsprojekte zu, bei denen es darum geht, keine inkrementellen, sondern grenzüberschreitende Veränderungen in Bezug auf Denken, Fühlen und Handeln voranzutreiben.

Anwendung des Adaptive Cycles

Mit diesem Ergebnis schafft ihr eine wichtige Grundlage, um zu verstehen, in welcher Phase sich euer Unternehmen heute befindet und was es benötigt, um sich weiterzuentwickeln.

Mithilfe des Adaptive Cycle kannst du den Zustand im Lebenszyklus deiner Organisation bewerten. Das Ziel besteht darin, eine Einschätzung darüber zu erhalten, in welcher Phase sich deine Organisation gerade befindet. Denn jede Phase des Zyklus erfordert unterschiedliche Verhaltensweisen und Fähigkeiten. Die dabei einzunehmende Perspektive ist die oberste Systemebene, also das gesamte Unternehmen.

So gehen du und dein Team vor:

  1. Macht euch mit den vier Phasen des Adaptive Cycle vertraut und hängt ein Poster davon auf.
  2. Jeder Teilnehmende nimmt sich ein bis zwei bis Minuten Zeit, um darüber nachzudenken und dann seine oder ihre Bewertung vorzunehmen. Dazu klebt ihr einen Punkt an die Stelle des Adaptive Cycle, an der ihr denkt, dass die Organisation steht. In der Regel entstehen in einem Team verschiedene Sichtweisen, d. h., die einzelnen Punkte können unterschiedlich positioniert sein.
  3. In einer gemeinsamen Diskussion soll das Team zu einer einheitlichen Sichtweise darüber gelangen, in welcher Phase sich das Unternehmen befindet. Das Ergebnis ist ein Prozess der gemeinsamen Aushandlung. Am Ende steht eine gemeinsame Positionierung.

Mit diesem Ergebnis schafft ihr eine wichtige Grundlage, um zu verstehen, in welcher Phase sich euer Unternehmen heute befindet und was es benötigt, um sich weiterzuentwickeln.

Besonderheiten der Zyklen

In jeder der vier Phasen sind unterschiedliche Verhaltensweisen und Fähigkeiten erforderlich. Je nachdem, in welcher Phase sich euer Unternehmen befindet, gilt es, auf die Besonderheiten der Zyklen zu achten.

  1. Wachstum erfordert eine Wachstumsmentalität und Innovationsfähigkeiten.
  2. Für Stabilität sind Effizienz und die Fähigkeit, Prozesse zu optimieren und das Unternehmen stabil zu halten, entscheidend.
  3. Für Erneuerung sind strategische Orientierung und die Fähigkeit zur Krisenkommunikation erforderlich.
  4. Re-Design erfordert die Fähigkeit, strategisch zu transformieren und Menschen zu empowern.

Transfer des Adaptive Cycle

Wie bereits erwähnt, lässt sich der Adaptive Cycle nicht nur auf Organisationen, sondern auch auf persönliches Wachstum und natürlich auf Ökosysteme übertragen. Aus diesem Grund ist die Analogie zu den Jahreszeiten eine schöne Metapher, um sich die Zyklen noch besser merken zu können:

  • Der Winter steht für Erneuerung: Das Leben zieht sich zurück, es wird ruhiger, aber unter der Oberfläche wird das Alte verdaut, Ressourcen werden freigesetzt und das Neue bildet sich bereits.
  • Der Frühling steht für Re-Design: Die Natur blüht auf, das Leben erwacht, Ideen treiben aus und es entsteht ganz viel Neues.
  • Der Sommer steht für Wachstum: Alles schießt empor, ist voller Leben und will hoch hinaus. Es ist viel Energie vorhanden.
  • Der Herbst steht für Stabilität: Es wird ruhiger, aber es ist auch die Zeit der Ernte, Zeit, die Früchte der vergangenen Zyklen zu genießen und sich auf das Loslassen vorzubereiten.

Bis der nächste Kollaps kommt und der Zyklus von vorne beginnt. Was gut ist, denn:

Die größten Zukunftssprünge entstehen in Krisen.

Fazit: Die Haltung hinter der Methode

Adaptive Design bedeutet, die Lebendigkeit von Organisationen ernst zu nehmen. Es gibt immer Phasen von Stabilität und Erneuerung. Mit dem Adaptive Cycle wird Transformation von der Ausnahmesituation zur alltäglichen Arbeitsform – und nur so wird eure Organisation dem ständigen Wandel gerecht.

Teile diesen Artikel

Weitere Blog-Artikel