Es gibt eine Strategie, ein Nachhaltigkeitsprogramm, einen Transformationsfahrplan. Und trotzdem kippt eure Organisation immer wieder in zwei Extreme. Entweder wird endlos diskutiert („Wir müssen noch einmal sauber analysieren“). Oder es wird hektisch umgesetzt („Wir müssen jetzt liefern“), ohne dass sich wirklich etwas im Muster ändert.
Genau an dieser Stelle wird ein psychologisches Modell sehr praktisch: Das PSI-Modell (Persönlichkeits‑System‑Interaktion).
Im Impact Business Design Vorgehensmodell nutzen wir das Modell von Julius Kuhl als Landkarte, um Fühlen, Denken, Handeln und Lernen bewusst zu verbinden. Transformation passiert dann nicht „trotz“ Menschen, sondern durch Menschen: weil ihr die inneren Dynamiken des Systems mitführt, statt sie zu überfahren.
In diesem Beitrag erfährst du:
- warum Veränderung oft an Selbststeuerung scheitert (und nicht an fehlender Kompetenz oder Motivation)
- was das PSI‑Modell konkret beschreibt
- wie du es im Transformation Management, in Organisationsentwicklung und Nachhaltigkeit praktisch anwendest
- und wie Impact Business Design daraus eine klare Arbeitsweise macht
Warum Transformation unter Druck „aus dem Takt“ gerät
Systemisch betrachtet sind Organisationen keine Maschinen, die man einfach umstellt. Sie sind lebendige Systeme aus Beziehungen, Routinen, Entscheidungen – und aus Menschen, die unter Unsicherheit Bedeutung herstellen müssen. Das Impact Business Design Playbook beschreibt Systeme entsprechend als durch Beziehungen verbundene Elemente mit einem gemeinsamen Zweck; wenn sich ein Element verändert, wirkt das auf die anderen aus.
In der Praxis heißt das: Jede Transformation greift in bestehende Muster ein – und jedes Muster hat eine Funktion. Es stabilisiert das Tagesgeschäft, sichert Zugehörigkeit, verteilt Macht, schützt vor Risiko. Wenn du an einem Muster rüttelst, rüttelst du nicht nur an Prozessen, sondern auch an Sicherheit.
Hier entstehen die typischen Spannungsfelder deiner Rolle:
- Strategische Unsicherheit: Wo fangen wir an, wenn alles zusammenhängt?
- Operative Überforderung: Wie schaffen wir Veränderung, ohne das Tagesgeschäft zu verlieren?
- Interner Widerstand: Warum „blockieren“ Menschen, obwohl die Richtung sinnvoll ist?
- Einsamkeit: Warum fühlt sich Transformationsarbeit oft an wie Alleinlaufen im Gegenwind?
Psychologisch kommt eine Dynamik hinzu, die in vielen Transformationsprogrammen unterschätzt wird: Unter Stress werden Menschen enger. Nicht, weil sie „nicht wollen“, sondern weil ihr inneres System auf Schutz umschaltet. Wir wechseln in Modi, die kurzfristig funktionieren – aber langfristig Transformation verhindern. Verhalten hängt nicht nur von Überzeugungen oder Absichten ab, sondern vom Zusammenspiel mehrerer psychischer Systeme: man kann „gute Absichten“ haben und trotzdem anders handeln.
PSI als Landkarte für innere Beweglichkeit
Das PSI‑Modell ist eine psychologische Theorie, die beschreibt, wie verschiedene innere „Systeme“ miteinander arbeiten – oder sich blockieren – und wie daraus Motivation, Entscheidungsfähigkeit und Handeln entstehen.
In der Impact Business Design Methode wird es als Grundlage für Transformationsfähigkeit genutzt: Transformation gelingt dann, wenn Menschen (und Teams) zwischen vier grundlegenden Modi wechseln können – Fühlen, Denken, Tun, Prüfen. Diese vier werden im Playbook als zentrale Transformationskompetenz beschrieben.
Die vier Systeme
Überblick und Selbstbezug – Fühlen
Das ist der Modus, in dem du den Zusammenhang im Ganzen spürst: Was ist gerade stimmig? Was passt nicht? Wofür lohnt sich der Aufwand? Im Playbook wird das mit dem Selbstsystem verknüpft – ein Bereich, in dem Erfahrungen „verwertet“ werden und innere Stimmigkeit entsteht.
Absichten halten und planen – Denken
Hier strukturierst du Komplexität, priorisierst, setzt Reihenfolgen, formulierst „das ist jetzt dran“. Das ist wichtig – und zugleich anfällig für Grübelschleifen, wenn Orientierung fehlt. Im Playbook wird dieser Modus als System beschrieben, das Absichten über längere Zeit aufrechterhält und Schritt für Schritt plant, um impulsives Handeln zu verhindern.
Umsetzung und Routinen – Tun
Hier kommst du ins Machen: Entscheidungen werden in Verhalten übersetzt. Ohne diesen Modus bleibt Transformation Konzept. Im Playbook steht dieser Bereich für die Ausführung von Handlungen – Absichten werden umgesetzt. Das ist der Modus, in dem Dinge wirklich in Bewegung kommen.
Fehlerfokus, Ergebniskontrolle, Lernen – Prüfen
Hier erkennst du Abweichungen, Risiken, Nebenwirkungen. Dieser Modus ist nicht „Widerstand“, sondern eine Schutz- und Qualitätsfunktion: Das System prüft, was nicht stimmt, und ermöglicht Korrektur. Im Playbook wird er als Fähigkeit zur Ergebniskontrolle beschrieben.
Der zentrale Punkt: Keines dieser Systeme ist „besser“. Entscheidend ist die Fähigkeit zu wechseln.
Das Playbook weist genau auf diese Gefahr hin: Blockaden zwischen den Systemen – oder das Festhalten an sogenannten „Lieblingssystemen“ – können dazu führen, dass Menschen an Motivation verlieren und Entscheidungs‑ und Handlungsfähigkeit sinkt.
Transformation wird wirksam, wenn ihr Sinn (Fühlen), Klarheit (Denken), Umsetzung (Tun) und Lernen (Prüfen) bewusst koppelt – statt in einem Modus zu verharren.
Wichtig: Die Aktivierung und der Austausch dieser Systeme hängt stark von Stimmungen und Gefühlen ab. Unter starkem Stress werden Menschen enger, verlieren Überblick und greifen auf das zurück, was sie gewohnt sind.
Für die Transformationsarbeit heißt das: Wenn dein System gerade in Angst, Ärger oder Dauerüberlastung steht, brauchst du nicht zuerst „mehr Strategie“. Du brauchst zuerst Regulation, damit Strategie überhaupt wieder verarbeitet und umgesetzt werden kann.
Wie du PSI‑Denken in eure Transformationspraxis übersetzt
Das PSI‑Modell ist dann hilfreich, wenn es nicht im Kopf bleibt, sondern in Routinen übersetzt wird. Das Impact Business Design Framework macht genau das: Es führt Teams durch eine Abfolge, die die Systeme bewusst anspricht – vom Sinn über die Gestaltung bis zur Umsetzung.
Ein Beispiel aus dem Impact Design Framework:: In der Transformation folgen wir dem Grundsatz „Erst grübeln, dann dübeln!“ – erst Verbindung und Orientierung (Fühlen/Denken), dann Handlung (Tun), dann Lernen (Prüfen).
Hier sind drei Anwendungen, die du direkt nutzen kannst – eng an den Herausforderungen aus der Praxis.
1) Gegen strategische Unsicherheit: Beginne mit „Wozu?“ statt mit „Warum?“
Wenn du in strategischer Unsicherheit steckst, ist der Reflex oft: mehr Analyse. In PSI‑Sprache heißt das: das Planungssystem übernimmt – aber ohne inneren Kompass bleibt es abstrakt.
Im Impact Business Design Playbook wird deshalb dazu geraten, nicht nur das “Warum” zu betrachten, sondern auch das “Wozu”: Ein “Warum” führt oft zu Problemen und der Vergangenheit, während „Wozu?“ den Blick nach vorne öffnet und hilft, Ziele und Sinn zu klären.
2) Gegen operative Überforderung: Reduziere Komplexität auf 1–2 echte Absichten
Im Tagesgeschäft entsteht Überforderung oft nicht, weil Menschen zu wenig leisten – sondern weil zu viele Ziele gleichzeitig offen sind. Das Planungssystem kann nicht alles halten.
Praktische Umsetzung (für jedes Transformationsvorhaben):
- Definierte eine Absicht, die in den nächsten 4 Wochen sichtbar werden soll (nicht zehn).
- Übersetze diese Absicht in eine kleine Handlung, die in den bestehenden Alltag passt: z. B. ein Pilot in einer Region, eine Prozessänderung in einem Team, eine Anpassung in einem Angebot.
- Lege vorab fest, woran ihr merkt, dass es wirkt.
3) Gegen Widerstand: Behandle „Prüfen“ als Ressource – nicht als Störung
Widerstand in Transformation ist selten „Bockigkeit“. Oft ist es ein dominantes Prüf‑System: Es sieht Risiken, Unschärfen, Nebenwirkungen. Wenn du das wegdrückst, verschwindet es nicht – es wird nur passiv‑aggressiv, zynisch oder blockierend.
PSI‑Denken hilft, weil es Widerstand funktional liest: als Teil des Systems, das Qualität und Wichtigkeit hat und essentieller Teil von Transformationskompetenz ist.
Fazit: Transformation braucht innere Beweglichkeit
Transformation scheitert oft daran, dass Menschen unter Druck nicht mehr zwischen Sinn, Klarheit, Umsetzung und Lernen wechseln können.
Wenn du Transformation führst – ob im Change Management, in der Organisationsentwicklung oder in der Nachhaltigkeitsstrategie – dann ist deine wichtigste Arbeit oft nicht „noch ein Projekt“. Es ist das Design von Bedingungen, unter denen Selbststeuerung möglich bleibt.
Und genau dort wird psychologische Arbeit zur Transformationsarbeit: nicht als Zusatz, sondern als Voraussetzung dafür, dass Nachhaltigkeit, Strategie und Veränderung wirklich ins Handeln kommen.
PSI‑Rhythmus als Meeting‑Routine
- Fühlen: Was ist gerade real? Was stresst, was motiviert?
- Denken: Was ist die eine Entscheidung, die wir heute brauchen?
- Tun: Was machen wir konkret bis zum nächsten Termin?
- Prüfen: Woran erkennen wir Fortschritt – und wie lernen wir?


